Darf ich mein Pferd bei der Arbeit grasen lassen?

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8 Grad.

Kalt. Windig.

Bestehend aus Schal, Handschuhen und Parka kommst du zu deinem Pferd.

Du hattest gehofft das niemand am Stall ist.

Dann hättest du einfach nur kurz Hallo zum Pferd sagen können und verschwinden.

Doch nun musst du ja mit deinem Pferd arbeiten.

Du hast noch Kopfschmerzen von dem Tag.

Der Tag im Büro war stressig.

Dein Chef hat dich mal wieder angebrüllt.

Dir viel zu viel Arbeit auf den Platz gelegt.

Du willst überhaupt nichts mit deinem Pferd machen.

Doch die anderen Reiter sind da und sehen hoch motiviert aus.

Dein Pferd findet am Rand des Platzes einen Grashalm.

 

So fangen viele frustrierende Sozialpartnerschaften mit dem Pferd an.

 

Du hast gar kein Bock. Hast nur das Gefühl zu müssen. Und dann macht dein Pferd Dinge, die du überhaupt nicht ausstehen kannst.

Hast du schon einmal dein Pferd gefragt? Das hat sicherlich was besseres zu tun, als mit dir zu kommen und nach deiner Pfeife zu tanzen.

Wenn du tatsächlich dein Pferd gefragt hast – Chapeau! Ich ziehe den Hut vor dir! Du gehörst zu den ca. 5% der deutschen Pferdemenschen, die es tatsächlich auf eine Partnerschaft mit ihrem Pferd abgesehen haben. Und dabei kannst du als Mensch auch einmal den Kürzeren ziehen…

Doch warum ist das so? Warum hat kein Schwein Bock, mal sein Pferd zu fragen?

Ich denke es hat viel mit unserem fremdbestimmten Lebensmuster zu tun. Die meisten von uns gehen zur Arbeit.

 

Sonst könnten wir uns unser Hobby ja auch nicht leisten, nicht wahr?

 

Dort ist festgelegt:

Wann wir zu kommen haben.

Was wir machen müssen.

Wann wir Pausen machen dürfen.

Was wir nicht tun dürfen.

Und endlos weitere Bestimmungen …

Und innerhalb dieser ‚Regeln‘ führen wir unser Leben.

Und da unser Pferd gezwungener Maßen dort hinein gerutscht ist, wird es genauso behandelt, wie man uns behandelt.

Der Fairness halber ist es wichtig, das du dir zumindest diesen Umstand bewusst machst. Natürlich komme auch ich zu meinen Pferden, wann es mir beliebt. Ich kann ja nicht meine Arbeit sausen lassen nur weil meine Pferde am besten um 10.00 Uhr morgens drauf sind.

Doch wenn ich kurz vor der normalen Fütterungszeit komme, dann verlange ich von meinen Pferden keine Höchstleistungen. Auch wenn den mal ein Grashalm mehr genascht wird, ist es in Ordnung. Denn ich habe mein Pferd auf den Platz geschleift, mit hungrigem Magen. Mein Ziel ist dann mir die Aufmerksamkeit meines Pferdes zu verdienen. Nicht in dem ich mein Pferd hart behandle und mit Stick, Peitsche & Seil malträtiere und es mit einem Nein anbrülle.

 

Denn was soll dein Pferd lernen? Dich weniger zu mögen? Schneller zu sein als du? Angst bekommen?

 

Nein, das willst du selbstverständlich nicht. Doch warum dann? Wie erklärst du überhaupt deine Vorgabe. Du darfst nicht grasen!

Weil du es so willst? Weil es respektlos ist? Oder weil du nicht zum Arbeiten kommst?

grasen-wild

Häufig habe ich schon den ersten Grund gehört! Nicht nur in dem Vielfraß- grasen lassen-Zusammenhang . . .

Denke mal an Aufgaben wie diese: Schreibe den Haushaltsplan mit Buntstift noch einmal nach. Streu schon mal deine Box ein, die Stallhilfe kommt gleich zum ausmisten..

Hier würdest du auch nur mit dem Kopf schütteln. So kommt es dem Dauerfresser Pferd manchmal auch vor. Frage dich doch einmal bei jeder Aufgabe die du deinem Pferd abverlangst, warum du sie haben willst. Hast du überhaupt eine schlüssige Antwort?

Wenn du nun also gerade selber abgelenkt bist und z.B. mit deiner Nachbarin quatscht, darf dein Pferd doch gerne grasen… stören tut es dich doch nicht!

 

Das Grasen ist Respektlos . . .

Ich komme zu einer Reitstunde mit dir und esse während des gesamten Unterrichts meine Schokotorte, Biscuits und Burger. Mit vollem Mund will ich, dann von dir das du bitte Schritt- Galopp Übergänge reitest…

JA! Da stimme ich dir zu! DAS ist ziemlich respektlos!

Doch wenn ich nun zu dir komme und dich frage, ob ich schnell einen Müsliriegel essen darf, weil ich schon so lange nichts mehr hattest, wirst du mir das nicht übel nehmen.

Überlege dir in welcher Situation du mit deinem Pferd bist.. 1 oder 2 ?

Häufig sehe ich bei Menschen die ihr Pferd als respektlos anprangern, den deutlichen Spiegel bei ihnen. Also frage dich erst: Wie verhalte ich mich? Hast du dir mit deinem Pferd überhaupt schon eine vertrauensvolle und respektvolle Basis erarbeitet?

 

Der finale Punkt. Du kommst nicht zum Arbeiten, weil dein Pferd die ganze Zeit mit grasen beschäftigt ist.

Schon in diesem Satz steckt wieder die Wahrheit: Du. Wenn du eine Partnerschaftliche Beziehung mit deinem Pferd anstrebst musst du dir auch bewusst sein. Das man dafür was tun muss…

Gute Freunde laufen dir ja auch nicht auf einmal auf der Straße hinterher, oder?

Du musst lernen dir bewusst zu machen, wie es deinem Pferd gerade geht. Was du fordern kannst und was nicht. Warum es die Dinge tut. Denn wenn du nie für dein Pferd da bist bzw. nur in den gemeinsamen Sternstunden. Warum zum Teufel sollte dein Pferd dann Verantwortung für die gemeinsame Partnerschaft übernehmen?

Außerdem kannst du einen guten Blick für die ‚Anfragen‘ deines Pferdes entwickeln. Und wenn du rechtzeitig eingreifst und eine Übung machst, anstatt einer negativen Verstärkung. Wird dein Pferd ganz schnell verstehen, dass es lieber aufpassen sollte.

Und… Vor allem bist du nicht mehr so langweilig..

Tania vom Wege zum Pferd Block hat hier auch noch eine fabelhafte Sammlung an Tipps zusammengestellt wie dein Pferd nicht mehr grast.

 

Im Prinzip ist das Thema des Grasen lassen, während der Arbeit (egal ob drinnen oder draußen) etwas was du entscheiden darfst. Ich fordere dich dazu auf ganz bewusst mit dem Thema umgehen zu können. Deine Haltung zu überdenken und danach zu ihr zu stehen. Vor deinem Pferd! Und wenn du dich dazu entschließt, dass es nicht angebracht ist zu fressen. Tu etwas dafür! Und ich meine nicht wild mit dem Seil herum fuchteln! Sei frech, wild und wunderbar… Oder wie war das?  🙂

 

Frage dich warum du Dinge tust und mach es nicht einfach weil dein Stallkollegen, ihre Pferde niemals grasen lassen. Vielleicht hat es bei Ihnen ja auch andere Gründe.

Frage sie doch einmal… 😉

Und lasse kein: Weil ich es so will zu!

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