Unterricht

Vom Lehrer zum Schüler – akademische Reitkunst

Wer mich kennt wird sich fragen wie zum Teufel ich auf ein Seminarreihe über die Ausbildung der Pferde (und Menschen) nach akademischen Grundsätzen gekommen bin…

Hier eine kleine Geschichte dazu.

 

 

Wer kennt es?

Diese endlose Sattelproblematik?

Der eine Sattler sagt passt, der andere passt nicht.
Dann soll der Sattel passen, aber Frau Pferd gefällt es nicht.
Dann gefällt es ihr, aber du kannst nicht drin sitzen.
Die Suche geht von vorne los und am Ende wird das kleinstes mögliche Übel genommen.

Zumindest war es bei mir so. Warum kleinstes mögliches Übel?

Obwohl ich so gerne einen Westernsattel gehabt hätte.
Habe ich nun seit 2 Jahren einen klassischen Sattel.

Kein anderes Exemplar konnte Tiny ertragen – zum Teil noch nicht einmal ohne Reiter drauf.

Meine ‚Westernreiter‘ Balance fühlte sich hierin nicht ganz so unbeschwert…

(Obwohl es ein Sattel der Marke Balance ist.. Hat also gebraucht bis er gehalten hat was er verspricht 😉 )
Mir fehlte die Sicherheit der breiten Fender und die des Hornes. 😉
Außerdem bin ich mir ‚Diamond C‘ Sätteln aufgewachsen. Und nur darin.
Es brauchte fast ein Jahr bis mein Ego es zuließ sich auf dem klassischen Sattel wohl zu fühlen. Und nicht nur das… So ganz langsam gab er zu, wie viel besser er meinem Sitz tat. (Im Vergleich zu meinen Reinern)

Kennst du das auch? Eigentlich weißt du intuitiv, dass dir etwas gut tut – aber es ist nicht der einfachere Weg und du brauchst etwas Zeit dich darauf einzustellen?

Es brauchte doppelt solang um etwas anderes Ernst zu nehmen. Nicht nur wahr zunehmen.
Meine Stute hatte 2015 einen Wunsch.

Von Außen sieht meine Tiny nach Westernpferd aus…

Sie wollte aber kein Westernpferd sein. Sie möchte klassisch ausgebildet werden. Mehrfach sah ich sie in meinen Visionen in der Levade und sogar in einer Capriole.

Änderte ich nach den Gesprächen etwas?
Ich kaufte den Sattel.
Veränderte rein gar nichts an meiner Reitweise, bildete mich einfach nur weiter auf meinem Weg.
Ich war noch nicht soweit.

Doch nun fühle ich, dass es an der Zeit ist diese Verantwortung zu übernehmen. Ich kommuniziere nicht mit Tieren um deren Bedürfnisse dann doch nicht Ernst zu nehmen.

Also lernte ich, über eine begeisterte Schülerin, Janna Behrens kennen.
Sie bildet Pferde im Sinne der klassisch-akademischen Reitkunst aus.
Im Rahmen ihrer 24-teiligen Zuschauer Ausbildungsserie, besuchte ich sie nun in Schierensee.
(Schön endlich mal wieder dort gewesen zu sein. Es hat sich so vieles verändert.)

Durch den jederzeit möglichen Quereinstieg, durfte ich bei dem vierten Thema teilnehmen.

Varianten der Bodenarbeit – Entdecke verschiedene Führpositionen

Was war mein leichtfertiger erster Gedanke noch bevor ich da war?

Ah ja – Bodenarbeit kann ich.. Naja irgendwo muss man ja einsteigen..

Die nächsten Seminare werden mir mehr Neues bringen.

Meine Güte kann man sich selbst überschätzen. Western-, sowie Horsemanshipansätze, ähneln sich vielleicht ein wenig, aber alles wissen??

Ha Ha Ha!

 

So war mein Gedanke 5 Minuten nach Kursbeginn:
Diese Ansätze gibt es auch noch bei der Bodenarbeit?

Warum weiß ich davon nichts?

Ich fühle mich wie der letzte Anfänger!

Was mache ich hier?

Wieso weiß Janna dass ich Unterricht gebe? (Lieber würde ich mich jetzt als Einsteiger geben, bei dem es logisch ist, dass da noch kaum Wissen ist)

Wo kann ich mich verstecken?

Ich muss unbedingt ein Buch zum Lückenfüllen erwerben…
Ihr seht meine Ängste ’nicht gut genug zu sein‘ hatten mal wieder ihren großen Auftritt.


Lange, lange habe ich mich bei einer ‚Pferdefortbildung‘ nicht mehr so unsicher gefühlt.
Ich habe mich wohl ganz bewusst in meiner Comfortzone der Pferdeszene aufgehalten.

Da wo ich Sicherheit habe, dort wo ich schon vieles weiß und immer weiter vertiefe.
Doch wenn du das tust, was du immer tust, bekommst du auch nur das was du schon hast.
Will ich das?
Nein !
Also rein in das Ungewohnte. Rein in das Neue. Rein in das Unsichere.

 

Nach dieser inneren Auseinandersetzung, lies ich all die neuen Einflüsse auf mich einströmen.

Und füllte meine innere Wissensdatenbank auf.

(Die ersten 15 Minuten ausnehmend)

Unvoreingenommen.
Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, welches die vier Führpositionen, bestaunt wie ein unbekanntes, faszinierendes Tier.

 

Ich fühlte, dass ich genau richtig war.

 

Bevor Janna mit ihrem Odin uns die Positionen zeigte. Durften wir selber erst einmal überlegen… Wo befindet sich der Mensch, während der Bodenarbeitsposition, Handarbeitsposition, Langzügelposition oder der Longenposition?

Die Longenposition ist die bei mir wahrscheinlich am meisten Genutzte . Doch in meinem Alltag gibt es zu dieser nur die Führposition und beides verwende ich in verschiedenen Distanzen und Zonen am Pferd.
Also erst einmal an die neuen Begriffsbestimmungen gewöhnen.

Besonders freute ich mich über die feinfühlige, positive Arbeit Jannas mit Odin. So konnte sie die Führpositionen sehr gut veranschaulichen. Wunderschön zeigte sie Veränderungen der Positionen in der Bewegung.

Ohne auch nur viele konkrete Übungen in den verschiedenen Positionen zu kennen, erarbeiteten wir uns in der Gruppenarbeit mögliche Vor- und Nachteile.

Gerade diese Aufgabe half meiner Kreativität auf die Sprünge.

Denn so konnte ich ohne die ‚richtigen‘ Antworten zu kennen, überlegen, was ich wo am Pferd am besten sehe oder beeinflussen könnte und auch wie das Pferd sich dabei fühlt.
Das konnten wir dann auch am eigenen Körper, während der People Arbeit spüren.

Hier durften wir abwechselnd Schulter, Rippenkasten, Hinterhand oder Bodenarbeiter sein.

 

Stimmig abgerundet wurde das Seminar durch gut umzusetzende Take-Home-Tips.

 

Falls du dich übrigens auch für das Angebot von Janna Behrens interessierst schau doch mal auf ihre Homepage und lass dich überzeugen!

 

Zum Abschluss ein wertvoller Satz von Janna der mir besonders im Herzen geblieben ist und für jede Pferd- Mensch Partnerschaft gleichermaßen wertvoll ist :
Unabhängig davon welche Führpostition wir nutzen, sollte das Pferd sich aus jeder, gleichmäßig in die Dynamik, sowie zur Einkehr bringen lassen.

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